Der hier veröffentlichte Text stellt keine abgeschlossene Arbeit dar. Er ist vielmehr als eine erste gedankliche Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex innerhalb des Landesverbandes Amateurtheater Sachsen e. V. zu betrachten, der einerseits eine ständige Erweiterung erfährt und andererseits anregen soll, zu einer eigenen Beschäftigung des Lesers mit der Problematik. Dankbar werden weitere Beiträge oder Verweise auf entsprechende Arbeiten entgegengenommen. An dieser Stelle sei auch ausdrücklich auf die von Michael Hametner zusammengetragenen Aufsätze und Beiträge unter dem Titel "Deutsches Amateurtheater - Woher?", herausgegeben vom "Deutschen Amateurtheaterverband e. V." verwiesen, der hier u. a. auszugsweise zitiert wird.
Auch im Bundesarbeitskreis Geschichte des BDAT setzt sich unser Ehrenmitglied Karl Uwe Baum für die Erforschung der Geschichte des Amateurtheaters ein und hat nun für die sächsische Amateurtheatergeschichte sogar eine eigene Internetplattform zur Geschichte des nichtprofessionellen Theaters in Sachsen erstellt.
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Mittelalter

Theater wird in diesem Land schon sehr lange gespielt. Die Anfänge reichen bis ins Mittelalter zurück. Als erste Form für ein inszeniertes Spiel von Laien werden der Mummenschanz zu Fastenzeiten und die Prozessionsumzügen gewertet.

Die Zeit der Kämpfe

Das Amateurtheater jener Jahre ist sicher nur aus dem Blickwinkel der Zeitgeschichte zu verstehen; einer Zeit, in der sich ab Mitte des 19. Jh. einschneidende wissenschaftliche, ökonomische, gesellschaftliche und politische Veränderungen vollzogen, in der es zur Polarisierung und Auseinandersetzung der Klassen kam, Kriege die Gesellschaft erschütterten und konträr gegenüberstehende politische Lager um Macht und Einfluß kämpften.Die Laientheaterbewegung in Deutschland entwickelte sich insbesondere seit der beginnenden Industrialisierung und des damit entstandenen Vereinswesens stürmisch. In Sachsen agierten so zeitweise sieben Dachorganisationen des Laienspiels gleichzeitig. Weit verbreitet waren hier die obligatorischen Schulaufführungen am Ende eines jeden Schuljahres. Auch der Bund Deutscher Amateurtheater sieht seine Wurzeln u. a. in Sachsen liegen.Insbesondere mit der Zunahme der Widersprüche innerhalb der Gesellschaft aber auch der Auseinandersetzungen zwischen den Parteien der Arbeiterklasse geriet die Laienbewegung in die politischen Machtkämpfe jener Zeit. Aus dem Bedürfnis, Zugang zum Theater zu bekommen, entwickelte sich das Laientheater über die Volksbühnenbewegung in zwei Richtungen. Zum einen entstand das Dilettantentheater, das sich durch eigene Aufführungen die bürgerliche Dramatik erschloß. Andererseits gab es ein großes Bedürfnis nach Kunst, die die Themen der unteren Klassen aufgriff. Diesem Bedürfnis stellte sich auch eine Vielzahl von Künstlern. So arbeiteten mit der Laienbewegung in der Arbeiterklasse Künstler wie Gustav von Wangenheim, Erwin Piscator, Friedrich Wolf, Johannes R. Becher, Wolfgang Langhoff, Bela Balázs, John Heartfield, Andor Gabor und Bertholt Brecht zusammen. Es wurde versucht, andere Formen als das bürgerliche Theater zu finden. Es blieb aber auch nicht aus, daß es unter den verschiedenen Dachorganisationen des Laienspiels zu heftigen Auseinandersetzungen kam. Zunehmend aber gerieten die Laientheater unter den Einfluß der Parteien. Besonders die KPD instrumentalisierte die Gruppen als Mittel zur Führung des Klassenkampfes und der politischen Bildung der Arbeiterklasse mit künstlerischen Mitteln. In deren Folge kam es zu großen Masseninszenierungen, z. B. in Leipzig, aber insbesondere zu einer, am sowjetischen Vorbild orientierten Agitprop-Bewegung (Sprechchor und Rote Revue), die bis 1933 eine massenweise Verbreitung in ganz Deutschland fand. In Kurzszenen und Liedern wurden die Situation der Arbeiterklasse und die Methoden der Ausbeutung dargestellt. Gruppen wie "Die Roten Spatzen" aus Leipzig oder "Rote Raketen", Dresden, reisten mit ihren Programmen durchs Land und waren so für propagandistische Zwecke gut einzusetzen. Nach 1930 wendeten sich die Laientheater wieder stärker den Stücken zu. Gruppen wie der "Heitere Blick" aus Radebeul (20er Jahre) oder das Mundarttheater Crottendorf (1909) führen ihre Vereinsgeschichte bis in die Anfänge des vergangenen Jahrhunderts zurück.Mit der Gleichschaltung der Theatervereine im Dritten Reich zog das Seichte, Unverfängliche, Bäuerliche in die Spielpläne vieler Gruppen ein. Aber auch Inszenierungen mit nationalistischem, wie rassistischem Geist hielten Einzug. Bekannt sind Auftritte mit Durchhalteparolen von Puppenspielern in Frontabschnitten des II. Weltkrieges. Die Spielgruppen der Arbeiterklasse waren einer zunehmenden Verfolgung ausgesetzt.

Amateurtheater in der DDR

Eine Vielzahl Gruppen nahm gleich nach dem II. Weltkrieg ihren Spielbetrieb wieder auf. Ihr Repertoire fanden sie in den "unbelasteten" Texten des Erbes und im heiteren Unterhaltungstheater. Ein unmittelbares Anknüpfen an die "proletarische Kulturbewegung" der Weimarer Republik schien aufgrund des breiten antifaschistisch-demokratischen Konsens in der Gesellschaft auch nicht geraten. Erst ab Mitte der 50er Jahre versuchten Partei und Regierung, die Amateurtheater zur kulturellen und politischen "Erziehung der Massen" einzusetzen. Ausgangspunkt war die Annahme, daß sozialistisches Bewußtsein über neue sozialistische Kunstwerke entwickelt werden könne. Andererseits war von Beginn an das Bemühen zu spüren, den Werktätigen den bisher versperrten Zugang zur Kunst zu gewähren. Dieser wurde sehr wesentlich auch durch die Theaterhäuser ( u. a. Berliner Ensemble) und Berufskünstler (u. a. Bertholt Brecht, Heinar Kipphardt, Helmut Baierl) mit-getragen. Daß die Amateurtheater dann zur "Ausrichtung der Berufskunst auf die Linie der Partei" mißbraucht wurden, mag als Ironie jener Zeit verstanden werden.Der Anbindung der Amateurtheater an Betriebe und Einrichtungen lag die Annahme zugrunde, daß "wahre Kunst" nur durch und mit der Arbeiterklasse geschaffen werden kann und ermöglichte ihre sichere Kotrolle, bot aber andererseits den Gruppen ein umfangreiches materiell-technisches Potenzial. Weitere Einrichtungen, wie Kulturkabinette auf den Ebenen der Kommunal- und Bezirksverwaltungen und das Zentralhaus der Volkskunst in Leipzig sorgten einerseits für den organisatorischen Rahmen und die Weiterbildung, versuchten andererseits aber auch das Amateurtheater zu instrumentalisieren und nach der "sozialistischen Kunstauffassung" auszurichten. Instrumente hierzu waren u. a. Einstufungen der Gruppen und die Ausscheide, deren Sieger über verschiedene Etappen bis zu den Arbeiterfestspielen, einem Treffen der Amateurkünstler der DDR seit 1959, gelangen konnten.Das "sozialistische Drama" auf der Guckkastenbühne war das bevorzugt verordnete Wirkungsfeld der "Arbeitertheater", dessen Namen ab 1959 als Titel vergeben wurde. Sie sollten den Menschen zur "sozialistischen Persönlichkeit" erziehen. Sowjetische "Produktionsdramatik", ihre DDR-Entsprechung, deutsche, französische und englische Klassiker, Stücke links gerichteter Autoren und all jene Werke, die die SED und der Staat als ihr sozialistisches Kulturerbe ansahen, konnten gespielt werden. Von Ausnahmen abgesehen, "verkümmerte das Amateurtheater" bis Anfang der 80er Jahre hinein "weitgehend zur Epigone des Berufstheaters."Mit dem zu dieser Zeit einsetzenden Generationswechsel in der Szene, den sich verschärfenden gesellschaftlichen Widersprüchen in der DDR und dem damit einhergehenden veränderten Kunstverständnis, wandelte sich auch das Erscheinungsbild des Amateurtheaters. Die Gruppen besannen sich auf ihre Stärken und entwickelten eigene spezielle künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten. Dies führte verstärkt zum Einsatz anderer theatralische Mittel (offene Spielform) als bisher üblich. Zunehmend griffen die sich verjüngenden Gruppen brisante gesellschaftliche und soziale Themen auf. "Sie wurden zum Sammelpunkt eines kritischen Potentials von Gleichgesinnten, dessen Aufführungen oft über den künstlerischen Wert hinausgingen." Gruppen wie das "Poetische Theater" der Universität Leipzig mit "Wanze" von Majakowski, Hans Otto-Theater aus Dresden mit "Kinder, die anders sind" oder die Studentenbühne der TU Dresden mit "Schukschin-Abend" sollen hier für viele andere stehen. Letztere Inszenierung führte gar zu einem politischen Skandal und zur Auflösung der Gruppe. Neben den Zentren des Amateurtheaters im Territorium des heutigen Sachsens wie Karl-Marx-Stadt und Dresden entwickelte sich besonders Leipzig als Brennpunkt des progressiven Amateurtheaters.Der Wechsel des politischen Systems traf die Amateurtheater unvorbereitet. Die Ereignisse hatten sie überrollt. Viele Gruppen lösten sich in dieser Periode auf. Erst Anfang 1990 meldeten sich einige mit Aktivitäten wieder zurück. Und mit dem Vereinsgesetz der DDR vom 28.2.1990 entstanden auch die ersten Amateurtheatervereine. Dies war auch dringend nötig, da die materiell-technische Basis der Gruppen sich innerhalb kürzester Zeit in ca. 80 % der Fälle auflöste. Viele Betriebe und Einrichtungen wurden privatisiert oder geschlossen. Für die Gruppen war da kein Platz mehr. Mit den Trägern verschwanden häufig auch die Unterlagen und Ausrüstungen, die Probenräume und Spielstätten. Die gesamte Struktur des Landes änderte sich. An die Stelle der Bezirke traten wieder die Länder. In dieser Zeit des Vakuums trafen sich auf Initiative von Gisela Donath, ehem. Vorsitzende der Beratergruppe Amateurtheater des Bezirkes Dresden und dem Volkskunstpodium Dresden Theatergruppen zu ersten Beratungen. In deren Ergebnis gründeten 8 Gruppen und 6 Einzelpersonen am 17.6.1990 in den Räumen des Studententheaters der TU Dresden den Landesverband Amateurtheater Sachsen e. V., als dessen Vorsitzender Karl Uwe Baum eingesetzt wurde. Damit war ein neues Kapitel in der Geschichte des sächsischen Amateurtheaters aufgeschlagen.


Stellenausschreibungen für das LDKS

 Das Landesbüro Darstellende Künste Sachsen hat drei Stellen ab
01. März 2018 neu zu besetzen.

Geschäftsführer_in

Referent_in für Projektmanagement

Mitarbeiter_in für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit


Bewerbungsfrist für alle Stellen ist der 15. Januar 2018.
Bitte bewerben Sie sich ausschließlich per E-Mail an:
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Landesbüro Darstellende Künste

Am 1. März 2016 eröffnete das Landesbüro Darstellende Künste Sachsen (LDKS) in Dresden.
Als zentrale Service- und Schnittstelle für die Darstellenden Künste vertritt das LDKS künftig die Akteure und übernimmt die politische Interessenvertretung des Landesverbands Amateurtheater Sachsen e. V. (LATS) sowie des Landesverbands der Freien Theater Sachsen e. V. (LFTS).

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