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Brief von Frau Dr. Range, Geschäftsführerin der LKJ.

Einen Tag nach der großen Demonstration vor dem sächsischen Landtag faßte die Geschäftsführerin, Frau Dr. Range, Ihre Gedanken und Empfindungen über das überwältigende Ereignis in einen Brief an alle Mitstreiter zusammen. Auch wenn alle Bemühungen vorerst nicht zum Erfolg geführt haben, war der große Kampfgeist und die Entschlossenheit zum Widerstand aller Teilnehmer zu spüren. Sie schließt dem Brief mit folgenden Worten:
„Lasst uns zusammen nachdenken, wie wir mit dieser Situation umgehen werden. Einfallsreicher Widerstand und das Aufzeigen der Folgen dieser verfehlten Sparpolitik in den Wahlkreisen sind angesagt."

 

LKJ Sachsen      11.3.2010, 16:14

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
die Sie/Ihr bei der Kundgebung am 10. März vor dem Sächsischen Landtag dabei waren oder Ihren Protest vorab zum Ausdruck gebracht haben,

nach Angaben des Sächsischen Landtages haben gestern mehr als 4.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor dem Landtag gegen die Kürzungen in der Jugendhilfe und für ein soziales Sachsen protestiert. Es war ein wichtiges, unübersehbares und unüberhörbares Zeichen von Geschlossenheit und Ernsthaftigkeit, es war eine wunderbare Atmosphäre der Solidarität und es war, so deprimierend das Abstimmungsergebnis auch ausfiel, auch spürbar, wie viel Kampfgeist, Entschlossenheit zum Widerstand und Tatkraft sich auf diesem Platz vereinten. Lasst uns das bewahren! Diese Kraft kommt aus der Überzeugung, dass unsere Arbeit für Kinder, Jugendliche, Behinderte, Benachteiligte, für das Funktionieren des Gemeinwesens und ein solidarisches Miteinander der Generationen enorm wichtig ist. Und weil es so wichtig ist und weil wir von der Notwendigkeit unserer Arbeit überzeugt sind, dürfen wir uns nicht abfinden mit dem gestrigen Abstimmungsverhalten der Regierungskoalition und der Aussage der Ministerin, dass die Kürzungen alternativlos seien. Die Opposition, insbesondere die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Antje Hermenau, hat in ihrer Rede vor dem Landtag Alternativen aufgezeigt, ohne zusätzliche Schulden aufnehmen zu müssen. Andere Ministerien, wie z.B. das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, haben keine Haushaltssperre verhängt, um bestimmte Bereiche weniger stark zu belasten. Es gibt also Alternativen, die den Kahlschlag in der Jugendhilfe verhindern könnten und trotzdem einer schwierigen Haushaltslage Rechnung tragen.
Leider ist es uns nicht gelungen, die "übliche Logik zu brechen" - vielleicht wussten wir es, aber trotzdem gab es eine gewisse Hoffnung, weil ja auch die gewählten Abgeordneten der Regierungskoalition die Folgen in ihren Wahlkreisen sehen und spüren werden. Auch während der Übergabe der Unterschriften und im anschließenden Gespräch mit Staatssekretärin und Ministerin in geschlossener Runde – unserer Einladung nach draußen sind leider weder der Ministerpräsident noch die Ministerin gefolgt – wurde uns die Alternativlosigkeit der Kürzungen erläutert, die Ausdruck bewusster Entscheidungen seien.
Es war gestern für alle, vor allem für die, die bis zum bitteren Ende draußen ausgeharrt und die Diskussion und Abstimmung im Landtag live verfolgt haben, ein Lehrstück für parlamentarische Demokratie.
Unsere Fragen und Kritikpunkte bleiben: Es geht um Gestaltungsverantwortung von Politik, um Prioritätensetzung (Jugend und Bildung), um den Dialog mit den "Betroffenen", um die Art und Weise des Umgangs überhaupt. Auch wenn die Ministerin immer wieder betont, dass vorab mit den Trägern gesprochen wurde – uns und viele andere hatte man dabei scheinbar vergessen.

Heute, ein paar Stunden danach, fühlt man sich irgendwie leer... Aber vielleicht ist das nach diesem tollen Gemeinschaftserlebnis gestern auch normal. Lasst uns zusammen nachdenken, wie wir mit dieser Situation umgehen werden. Einfallsreicher Widerstand und das Aufzeigen der Folgen dieser verfehlten Sparpolitik in den Wahlkreisen sind angesagt.

Vielen Dank für die Unterstützung unserer Gemeinschaftsaktion.

Christine Range

Versammlungsleiterin und Geschäftsführerin der LKJ Sachsen e.V.


 

Die Zeiten sind rauher geworden: Bankspekulanten und organisierte Verbrecher auf der einen und Sozialhilfeempfänger und Damen des horizontalen Gewerbes auf der anderen Seite. Vielfach sind die unterschiedlichen Seiten nicht mehr auseinander zu halten, wie etwa bei John Gay's „The Beggar's Opera" von 1728. Die Vermischung von Unten und Oben, von Moral und Unmoral, wenn es ums Geschäft geht, ist auch heute noch gang und gebe. Alles Teile ein und der selben Gesellschaft.

Doch vereint Kunst manchmal auch, was Gesellschaft in eitler Selbstgefälligkeit trennt, ja isoliert. Und so brachte die Theatergruppe Spielbrett Dresden zusammen mit Aktion Mensch am 7.3.2010 im Theater Jungen Generation Dresden „Ein Spiel mit Gesang für soziale Härtefälle und Randgruppengeschädigte" zur Aufführung. In dieser „EIN€OPER" arbeitete Spielbrett erstmals mit geistig- und körperbehinderten Menschen zusammen. Wenn auch der Unterschied zu den spielerfahrenen Akteuren des LATS-Mitgliedes nicht zu übersehen war, tat dieser Umstand der Inszenierung keinen Abbruch. Die behutsame Regieführung (Ullrich Schwarz) ermöglichte jedem Spieler seinen Platz zu finden, nutzte geschickt seine Erscheinung und Fähigkeiten ohne ihn auf der Bühne zu verraten. Körperliche Unvollkommenheit oder intellektuelle Einschränkungen wurden so zum integralen Bestandteil der Rollen, die das Obskure der Vorgänge noch verdeutlichten. Auch wenn natürlich an Spieltempo und Rollengestaltung teilweise Abstriche zu machen waren, nutzte Schwarz bei sparsamen aber funktionalem Bühnenbild gängige Theatermittel zum Gelingen des Abends. Die sorgfältig gewählten Kostüme unterstützen die Spieler, die auch den musikalischen Teil durchaus bewältigten. Zwar verbietet sich in dieser Inszenierung einzelne Spieler hervorzuheben, dennoch seien besonders Andreas Brunsinsky als Macheath, Denis Schmidt als Peachum und Claudia Band als Berta und Härtefall hervorgehoben.

Nicht zu verschweigen, daß Spielbrett bravourös eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben meisterte, die die Arbeit mit den besonderen Gäste so mit sich brachten.

 

Auch die ca. 4.000 meist jungen Menschen vor dem Sächsischen Landtag und die 20.000 Unterschriften gegen die Kürzungen im Sozialbereich konnten am 10. März der Sozialministerin Claus und den Abgeordneten der  Regierungsfraktionen nicht das Herz erwärmen: Die Anträge der Opposition auf Aussetzung der Kürzungen wurden in der Landtagssitzung abgeschmettert. Unterm Strich bedeutet das die flächendeckende Ausdünnung sozialer und kultureller Angebote für die Schwächsten dieser Gesellschaft. Denn nicht nur im Jugendbereich soll gespart werden, sondern auch in der Betreuung psychisch Kranker, bei Beratungsstellen und Sozialprojekten. Es ist zu befürchten, daß besonders kleine freie Träger deshalb bald vor einer drohenden Insolvenz stehen werden.
Die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung erhält demnach 2010 u. a. keinerlei Projektmittel zugewiesen. Betroffen sind hiervon allein 14 Mitgliedsverbände. So u. a. steht nun das Landesschülertheatertreffen der LAG Darstellendes Spiel im April auf der Kippe.

Zur größten Demonstration der Jugend- und Sozialverbände nach der Wende waren auch Vertreter des LATS-Vorstandes mit Karl Uwe Baum an der Spitze gekommen. Der unverhältnismäßigen Streichung des Sozialministeriums fallen zwei seiner wichtigsten Projekte zum Opfer.

Die Teilnehmer der Demonstration errichteten dann auch vor dem Landtag einen „Friedhof der sozialen Grausamkeiten" mit über hundert Holzkreuzen, die die zu Grabe getragene soziale und kulturelle Arbeit der Träger symbolisierten. LATS-Vertreter hatten schon 3 Tage vorher an einer Leipziger Protestdemonstration mit über 1000 Protestierenden in der gleichen Angelegenheit teilgenommen.

Fotos s. u. www.medienkulturzentrum.de

 

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